Spannbeton-Fertigdecken, der Einstieg in ressourcenschonendere Materialkreisläufe

Kreislaufwirtschaft in der Baubranche: Klingt utopisch, gibt´s aber schon

Mit bis zu 40% des globalen Energieverbrauchs und fast einem Drittel der weltweiten Abfallmenge zählt die Baubranche zu den ressourcenintensivsten Wirtschaftszweigen überhaupt.

Allein in Deutschland werden laut dem Statistischen Bundesamt jährlich 520 Mio. t Baumaterial hergestellt. Diese Zahlen machen deutlich, wie wichtig gerade im Bausektor ein effizienter und nachhaltiger Umgang mit Rohstoffen und Energie ist – besonders vor dem Hintergrund wachsender Ressourcenknappheit.

Bauboom versus Rohstoffknappheit

Experten rechnen mit einer Erhöhung der weltweiten Bautätigkeiten von bis zu 70% und mit stark ansteigenden Preisen für die dazu notwendigen Rohstoffe.

Damit sind es nicht mehr nur die ökologischen Aspekte, mit unseren natürlichen Ressourcen möglichst verantwortungsvoll umzugehen, es wird plötzlich auch ökonomisch interessant, ganzheitliche Gebäudekonzepte zu entwickeln, in denen die Materialien beim Abriss getrennt und unzerstört ausgebaut und in neuen Gebäuden ein weiteres Mal eingebaut werden können.

Als besonders konsequente Variante der Kreislaufwirtschaft steht das „Cradle to Cradle“-Konzept (C2C), das gänzlich ohne Abfall auskommt.

Cradle to Cradle

Noch herrscht in der Baubranche – wie in fast allen Bereichen – das lineare Wirtschaftssystem vor.

Das heißt, unter hohem Energieeinsatz werden aus Rohstoffen Güter produziert, verkauft, verwendet und schließlich entsorgt. In der Kreislaufwirtschaft dagegen ist genau dieses Recycling – in der Praxis häufig nur ein Downcycling – die letzte Option.

In dem regenerativen System einer Kreislaufwirtschaft entstehen keine Abfälle, da alle Materialien konserviert und hochwertig wiederverwendet werden.

Die gesamte Wertschöpfungskette ist darauf ausgerichtet, auf allen Ebenen größtmöglichen Nutzen zu erbringen.

C2C-Wohnhochhaus "Moringa" für die Hafencity in Hamburg (Animation: kadewittarchitektur)

Kreislaufwirtschaft ist mehr als Recycling

Ansätze zum zirkulären Wirtschaften finden sich auch in der Baubranche, die aufgrund des enormen Ressourcenbedarfs von Kreislaufwirtschaften besonders profitieren könnte.

Die Initiative „Kreislaufwirtschaft Bau“ gibt an, dass 2016 in Deutschland 58,5 Mio. t mineralischer Bauschutt angefallen ist und davon nur 7,5 Mio. t (12,7%) in Baustoffen wiederverwertet werden, alle anderen mineralischen Abfälle kamen in verminderter Qualität als Gesteinskörnung im Straßen-, Erd- und Deponiebau zum Einsatz und spielen daher als Ersatz für den Primärbaustoffverbrauch kaum eine Rolle.

Hier kommen Sie auf direktem Wege zur Broschüre „Kreislaufwirtschaft in der Baubranche“

Branchenspezifische Hürden im Bausektor

Zugegeben: Einige Faktoren erschweren im Bausektor die Umsetzung zirkulärer Wirtschaftsmodelle. Unter anderem weisen Bauprojekte eine geringe Wiederholungsrate auf und sie unterscheiden sich stark in Art und Umfang. Hinzu kommen die langen Nutzungszyklen von Gebäuden sowie Verbundbauteile, die eine gesicherte Rückgewinnung der eingesetzten Materialien und Bauteile für eine qualitativ hochwertige Wiederverwendung schwer vorstellbar erscheinen lassen.

Neben einer guten Zerlegbarkeit und Separierung in Materialfraktionen spielt dabei die umfassende Dokumentation aller verwendeten Baustoffe und – teile sowie der Demontagemöglichkeiten eine zentrale Rolle.

DW SYSTEMBAU ist aktiv dabei

DW SYSTEMBAU ist an dieser Entwicklung aktiv beteiligt und unterstützt Forschungsvorhaben, die nach Lösungen für ressourcenschonendere Materialkreisläufe in der Baubranche suchen. So auch das Forschungsprojekt ReDeMaM der TU Dresden.