Weniger Fachkräfte, mehr Vorfertigung: Wie serielles Bauen den Personalengpass reduziert

BRESPA Mitarbeiter steht in der Produktionshalle über einer frischen BRESPA Bahn gebeugt und konktrolliert.

Der Engpass hat sich verschoben

Über Jahre waren Materialpreise und Finanzierungskosten die bestimmenden Themen im Rohbau. Inzwischen steht ein anderer Faktor im Vordergrund: die verfügbare Arbeitsstunde auf der Baustelle.

Ein Rohbau, der stillsteht, weil z.B. die Schalungskolonne noch auf einem anderen Projekt gebunden ist, kostet mehr als jede Materialpreissteigerung der letzten Jahre. Und dieser Zustand ist längst kein Einzelfall mehr.

Die naheliegende Antwort lautet Recruiting. Sie greift nur zu langsam. Die zweite Stellschraube wird seltener diskutiert: die Frage, wie viele Facharbeiterstunden ein Bauprojekt überhaupt benötigt. Genau hier setzt die Vorfertigung an.

Werksbesucher stehen mit Warnwesten und Helmen auf dem BRESPA Fertigteilwerk in Schneverdingen und hören einem Mitarbeiter zu.

Der Fachkräftemangel im Bau

Die Datenlage ist eindeutig. Laut DIHK-Fachkräftereport 2025/2026 berichten 59 % der Bauunternehmen über Schwierigkeiten bei der Stellenbesetzung. Der ifo-Konjunkturumfrage zufolge meldeten im Januar 2026 rund 30 % der Betriebe konkrete Personalengpässe.

Auch die Planungsseite ist betroffen. Der MINT-Frühjahrsreport 2026 des Instituts der deutschen Wirtschaft weist für Bauberufe eine Lücke von 26.400 Fachkräften aus. Damit zählen sie zu den drei größten Engpassfeldern im gesamten MINT-Bereich.

Zwei strukturelle Ursachen wirken dabei zusammen:

Demografie: Die geburtenstarken Jahrgänge gehen in den kommenden Jahren in Rente. Nachwuchs rückt in deutlich geringerer Zahl nach.
Ausbildungsabbrüche: Rund 40 % der Ausbildungsverträge im Baugewerbe werden vorzeitig aufgelöst, der höchste Wert aller Branchen.

 

Wo die Stunden im Rohbau tatsächlich entstehen

Eine Ortbetondecke bindet Personal über mehrere Tage und mehrere Qualifikationsstufen: Schalung stellen, Rüstung aufbauen, Bewehrung verlegen, betonieren, nachbehandeln, ausschalen. Dazwischen liegen Aushärtezeiten, in denen die Fläche für den nächsten Takt blockiert ist.

Jeder dieser Schritte ist witterungsabhängig, jeder benötigt eingespielte Fachkräfte, und jeder ist eine potenzielle Fehlerquelle.

Bei einer vorgefertigten Spannbetondecken findet der überwiegende Teil dieser Arbeit im Werk statt. Die Platten werden vorgespannt, betoniert und auf die erforderliche Länge geschnitten. Auf der Baustelle bleibt ein Montagevorgang: Platten absetzen, ausrichten, Fugen und Verguss herstellen.

Was damit entfällt:

Die Rechnung ist damit einfach: Vorfertigung senkt die Zahl der Fachkräftestunden, die pro Quadratmeter Decke auf der Baustelle anfallen. Ein Effekt, den auch die Untersuchung der TU Dortmund zum Vergleich von Spannbeton-Fertigdecken mit Ortbeton- und Halbfertigteildecken bestätigt: geringere Rohbaukosten bei deutlich kürzerer Rohbauzeit.

 

Planbarkeit: der unterschätzte Effekt

Montage der BRESPA Decke auf der Baustelle mit zwei Bauarbeitern, die diese platzieren.

Personalengpass bedeutet in der Praxis selten, dass gar niemand verfügbar ist. Er bedeutet, dass Verfügbarkeit kurzfristig schwankt. Kolonnen werden umdisponiert, Termine verschieben sich, Folgegewerke stehen an, die Bauleitung improvisiert.

Vorgefertigte Bauteile machen den Personalbedarf terminierbar. Der Ablauf von der Beauftragung bis zur Lieferung ist bei uns in 8 Schritte gegliedert:

  1. Startdaten bereitstellen
  2. Technische Planung
  3. Prüfphase
  4. Finale Zeichnung
  5. Lieferwoche festlegen
  6. Abruf
  7. Produktion
  8. Lieferung

Die Lieferzeit beträgt abhängig von Art und Umfang des Projektes zwischen 9-12 Wochen. Entscheidend ist weniger diese Dauer als die Tatsache, dass der Montagetermin damit Wochen im Voraus feststeht. Die Kolonne lässt sich darauf disponieren, Kran und Zufahrt ebenso, Folgegewerke können verbindlich eingetaktet werden. Details dazu finden Sie in unserem Beitrag zu den optimalen Lieferzeiten.


Ein Argument, das auch die Personalabteilung betrifft

Der Fachkräftemangel ist zur Hälfte ein Bindungsproblem. Als häufigste Kündigungsgründe im Bau gelten fehlende Wertschätzung, unklare Entwicklungsperspektiven und Überstunden als Dauerzustand.

Vorfertigung wirkt an mehreren dieser Punkte:

Körperliche Belastung. Schalungsbau, Bewehrungsarbeiten und Betonieren gehören zu den anstrengendsten Tätigkeiten im Rohbau. Eine Deckenmontage ist im Vergleich deutlich weniger belastend.

Witterung. Wer im Werk fertigt, arbeitet unabhängig von Frost, Regen und Hitze. Auf der Baustelle verkürzt sich die Zeit, die bei ungünstigen Bedingungen im Freien verbracht wird.

Realistische Planung. Ein Ablauf mit festen Terminen erzeugt weniger Wochenendschichten als ein Bauablauf, der permanent Rückstände aufholt.

Für Bauunternehmen ist das ein doppelter Hebel: weniger benötigte Fachkräfte pro Projekt bei gleichzeitig besseren Argumenten im Wettbewerb um die vorhandenen.

 

Was Vorfertigung voraussetzt

Damit der Effekt eintritt, muss die Planung anders getaktet sein als bei einer Ortbetonlösung. Vier Punkte gehören früh auf den Tisch:

Planungsvorlauf. Die Werkplanung braucht Zeit und eine rechtzeitige Freigabe. Verzögerungen in diesem Schritt verschieben den Liefertermin unmittelbar.

Aussparungen und Durchbrüche. Sie sollten zum Zeitpunkt der Werkplanung feststehen. Kleinere Öffnungen lassen sich auch nachträglich als Kernbohrung ausführen, größere Öffnungen werden über Wechseleisen abgefangen.

Baustellenlogistik. Zufahrt, Abladeflächen und Kranstellung müssen zur Anlieferung passen. Die Platten werden im Idealfall direkt vom Fahrzeug verlegt.

Fußbodenaufbau. Vorgespannte Decken weisen eine planmäßige Überhöhung auf. Diese wird im Fußbodenaufbau ausgeglichen und gehört früh in die Höhenplanung.

Diese Punkte sind alle beherrschbar. Sie verlangen lediglich, dass Entscheidungen früher fallen als gewohnt. Wer diesen Vorlauf einplant, gewinnt ihn auf der Baustelle mehrfach zurück.

Fazit

Der Fachkräftemangel im Bau bleibt bestehen, unabhängig von der Konjunktur. Wer weiterhin plant, als stünde beliebig viel qualifiziertes Personal zur Verfügung, kalkuliert an der Realität vorbei.

Serielles Bauen mit Spannbeton-Fertigdecken verlagert Facharbeit von der Baustelle ins Werk, senkt den Stundenbedarf pro Quadratmeter und macht Montagetermine planbar. Kürzere Rohbauzeiten, geringere Rohbaukosten und eine bessere Ökobilanz kommen hinzu.

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