Flexible Planung: Wandelbare Gebäude
mit BRESPA®-Decken

1. Der Wandel ist die Konstante

Kaum ein Unternehmen weiß heute, wie es in zehn Jahren arbeiten wird. Teams wachsen und schrumpfen, Mieter ziehen ein und wieder aus, Homeoffice-Quoten verschieben den Flächenbedarf, und Bürokonzepte, die gestern als fortschrittlich galten, gelten morgen als überholt. Was bleibt, ist die Veränderung selbst.

Gebäude aber sind auf Dauer gebaut. Eine Immobilie, die für genau eine Nutzung optimiert wurde, wird zum Risiko, sobald sich diese Nutzung ändert und sie ändert sich. Deshalb hat sich der Blick auf Flexibilität grundlegend verschoben: Sie ist kein Ausstattungsmerkmal mehr, mit dem sich ein Objekt im Exposé schmücken lässt, sondern eine planerische Grundvoraussetzung.

Entschieden wird darüber nicht im Innenausbau, sondern viel früher: im Tragwerk. Wo tragende Wände stehen, ist der Grundriss auf Jahrzehnte festgeschrieben. Wo keine stehen, bleibt er verhandelbar.

SILV@ESTER2013

2. Warum Flexibilität heute unverzichtbar ist

Allein im Bürobau konkurrieren zahlreiche Konzepte: Zellenbüro, Kombibüro, Gruppenbüro, Großraum, Open Space, Non-territorial Office mit Desk-Sharing. Jedes hat gute Argumente und keines lässt sich für die nächsten zwei Mietperioden verlässlich vorhersagen. Wer sich beim Rohbau auf ein einziges Konzept festlegt, wettet auf einen Trend.

Dabei geht es nicht nur um den Mieterwechsel. Auch innerhalb desselben Unternehmens verändern sich die Bedürfnisse der Mitarbeitenden: mehr Rückzugsräume für konzentriertes Arbeiten, mehr Zonen für Kollaboration, andere Anforderungen an Akustik, Licht und Luft. Räume sind kein neutraler Hintergrund, sie wirken auf Produktivität, Motivation, Gesundheit und Innovationskraft. Wer sie nicht anpassen kann, verliert doppelt: an Attraktivität für Nutzende und an Wert für Investoren.

Sichtbar wird das an einem klaren Trend: Immer mehr Bauherren fragen nicht nach dem fertig konfektionierten Standardausbau, sondern nach einem belastbaren, offenen Tragwerk, das individuell und vor allem wiederholt ausgebaut werden kann.

 

3. Flexible Bauweise: das Konstruktionsprinzip dahinter

Genau hier liegt der Kern unseres Systems: Vorgespannte BRESPA®-Decken machen tragende Innenwände überflüssig. Das schafft grenzenlose, lebenslange Flexibilität in der Raumaufteilung und spätere Umbauten werden kostengünstig, einfach und schnell möglich.

Das Prinzip ist dabei simpel. Unsere Spannbetondecken sind einachsig gespannte Einfeldplatten mit direkter Auflagerung: Sie spannen von Außenwand zu Außenwand beziehungsweise von Achse zu Achse, nicht auf ein Raster aus Innenwänden und Innenstützen. Alles, was innerhalb dieser Spannweite passiert, ist damit statisch frei.

Aus Sicht der Nutzung heißt das: Zwischen den Auflagern gibt es keine unantastbaren Bauteile. Wände werden zu Ausbauelementen und damit zu etwas, das man versetzen, entfernen oder ergänzen kann, ohne die Statik anzufassen. Ein stützen- und innenwandfreies Tragwerk ist deshalb die Grundvoraussetzung für wandelbare und damit nachhaltige Gebäude.

 

4. Die Technik im Detail: Spannweiten, die Freiraum schaffen

BRESPA® Sockelplatten im Einsatz auf der Baustelle von HOCHTIEF für die Hamburger Klassenhäuser.

Während die Lasten bei Industrieprojekten für Sockelplatten häufig zu hoch sind, spielen Sockelplatten ihre Stärken vor allem im Wohnungsbau aus. Hier sind Lasten in der Regel gut kalkulierbar, Grundrisse wiederholen sich häufig und Bauzeiten sind eng getaktet. 

Die klare Planung, serielle Fertigung, reproduzierbare Qualität und der ruhiger Bauablauf sorgen für eine schnelle und erfolgreiche Projektabwicklung. Gerade bei Mehrfamilienhäusern oder wiederkehrenden Typenbauten wird aus einer zunächst alternativen Lösung schnell ein wirtschaftlicher Standard. 

BRESPA Sockelplatten kamen bereits in mehreren Projekten erfolgreich zum Einsatz, darunter die Hamburger Klassenhäuser mit HOCHTIEF sowie ein Wohnungsbauprojekt mit der Grotjahn Baugesellschaft.

 

Vorteile bei Nachverdichtung und im Bestand

Wie viel Freiheit dabei entsteht, entscheidet die Spannweite. Und hier spielt die Vorspannung ihre Stärke aus.
Das klassische Beispiel: Bei einer Gebäudetiefe von 12,50 m mit mittigem Erschließungsflur genügt eine nur 20 cm dicke BRESPA®-Decke, um Spannweiten von über 7,50 m stützenfrei zu überbrücken. Eine Ortbeton- oder Filigrandecke bräuchte für dieselbe Spannweite rund 25 cm Konstruktionshöhe. Der gewonnene Zentimeter-Spielraum ist mehr als eine Randnotiz: Er wirkt sich auf Geschosshöhe, Gebäudehöhe und damit auf die gesamte Hüllfläche aus.


Nach oben ist die Skala weit offen. Mit BRESPA®-Decken sind Spannweiten von über 15 m realisierbar, im Parkhausbau setzen wir Systeme mit bis zu 15,40 m Spannweite ein. Für Architekten bedeutet das: große, ungestörte Flächen, die sich in jede gewünschte Raumstruktur unterteilen lassen.

Ein Effekt, der oft unterschätzt wird, ist das Gewicht. Durch den Hohlraumanteil von bis zu 50 % gegenüber einer Vollplatte ist die Decke deutlich leichter als eine massive Lösung gleicher Tragfähigkeit. Weniger Last auf den Unterzügen heißt: kleinere Unterzüge, geringere Stützenlasten, weniger Stützen, schlankere Fundamente. Die Entlastung setzt sich durch das gesamte Tragwerk bis in den Baugrund fort.

Drei Deckensysteme im Grundrissvergleich: Legt man dieselbe Bürofläche einmal als Zellenbüro und einmal als Gruppenbüro über verschiedene Deckensysteme, zeigt sich der Unterschied sofort. Bei Systemen, die auf Innenauflager angewiesen sind, muss die Trennwandstruktur dem Tragraster folgen. Der Grundriss wird vom Tragwerk diktiert und ist später nur mit statischem Eingriff zu ändern. Bei BRESPA® ist es umgekehrt: Das Tragwerk stellt die Fläche zur Verfügung, die Raumaufteilung ist eine reine Ausbaufrage, heute und bei jedem künftigen Umbau.

 

5. Wirtschaftlichkeit: schneller, günstiger, wertstabiler

Flexibilität kostet in diesem Fall keinen Aufpreis, im Gegenteil. Eine Untersuchung der TU Dortmund hat Spannbeton-Fertigdecken mit Ortbeton- und Halbfertigteildecken verglichen. Ergebnis: Die vorgespannte Fertigdecke war nicht nur günstiger, sondern verkürzte auch die Rohbauzeit deutlich.
Das hat einen einfachen Grund: Die Decken werden witterungsunabhängig im Werk produziert und montagefertig auf die Baustelle geliefert. Es entfallen Schalung, Bewehrungsarbeiten, Betonieren und Aushärtezeiten auf der Baustelle. Statt Nassprozessen gibt es einen Montagevorgang, mit weniger Fehlerquellen, weniger Emissionen, weniger Personalbedarf und ohne Baufeuchte, die anschließend austrocknen muss. Die Terminsicherheit ist dabei deutlich planbarer.

Für Bauherren und Investoren zählt am Ende die Rechnung über den gesamten Lebenszyklus und die fällt in zwei Richtungen positiv aus:

Kürzere Rohbauzeit = frühere Fertigstellung
Wer früher übergibt, nutzt oder vermietet früher. Jeder gewonnene Monat wirkt unmittelbar auf Zwischenfinanzierungskosten und Erträge.

Umnutzungsfähigkeit = kontinuierliche Vermietbarkeit
Ein Gebäude, das sich an neue Mieter und neue Arbeitsformen anpassen lässt, steht seltener leer und muss weniger Kompromisse beim Mieterausbau machen. Das verlängert die wirtschaftliche Nutzungsdauer der Immobilie erheblich und Nutzungsdauer ist der wirksamste Werttreiber, den ein Gebäude hat.

 

6. Nachhaltigkeit als Nebeneffekt der Flexibilität

Wie stark das Tragwerk auf die Nachhaltigkeitsbewertung eines Gebäudes durchschlägt, wird regelmäßig unterschätzt. Tatsächlich beeinflussen die Decken rund 42 % der Bewertungskriterien einer DGNB-Zertifizierung. Die Decke ist damit kein Detail, sondern eine der zentralen Stellschrauben.

BRESPA®-Decken setzen dort an, wo die größte Wirkung liegt: bei der Materialausnutzung. Durch Vorspannung, hochfesten Beton der Festigkeitsklasse C45/55 und die Hohlkörpergeometrie werden bis zu 50 % weniger Beton und bis zu 75 % weniger Stahl benötigt als bei vergleichbaren konventionellen Lösungen. Weniger Material bedeutet unmittelbar weniger Primärenergieverbrauch und weniger Treibhausgasemissionen, dokumentiert und nachprüfbar als Grundlage unserer Umweltproduktdeklarationen (EPD).

Wie groß der Effekt in der Praxis ist, zeigt ein Ökobilanzierungsvergleich der HTW Berlin (Prof. Dr. Andreas Heuer) für eine Wohnanlage für Studierende in Bochum-Laerheide: 777 m³ Beton statt 1.313 m³, 42,2 t Stahl statt 109,5 t. Über den Rohbau des Gesamtgebäudes wurden damit rund 25 % der CO₂-Emissionen eingespart. Betrachtet man nur die untersuchten Decken, verursachen massive Halbfertigteildecken fast 50 % mehr CO₂-Äquivalente als Spannbeton-Fertigdecken.

Exkurs zur Kreislaufwirtschaft: Die Vorfertigung schließt Materialkreisläufe schon im Werk, Verschnitt und Restbeton bleiben in der Produktion, auf der Baustelle entsteht praktisch kein Deckenabfall, weil nichts geschalt und nichts ausgeschalt wird. Am Ende der Nutzungsphase sind die Platten als definierte Einzelbauteile rückbaubar und recyclingfähig.

Der wichtigste Nachhaltigkeitsbeitrag ist allerdings ein anderer: Das nachhaltigste Gebäude ist das, das nicht abgerissen wird. Jede Nutzungsänderung, die ohne Abriss und Neubau auskommt, spart die gesamte graue Energie eines Ersatzbaus. Wandelbarkeit ist deshalb keine Ergänzung zur Nachhaltigkeitsstrategie, sie ist deren Kern.

 

7. Vom Rohbau zum Umbau: wie simpel das in der Praxis ist

Was in der Theorie überzeugt, muss im Umbau funktionieren. Und dort zeigt sich der Vorteil am deutlichsten.

Ein gesicherter Bauarbeiter steht auf dem Rohbau des EDGE Elbside in Hamburg und platzieren die montierte BRESPA Decke.
Montage beim Projekt EDGE Elbside.

Trockenbau statt tragender Wände:

Innenwände werden als Trockenbauwände ausgeführt: schnell errichtet, ebenso schnell versetzt oder entfernt, mit sehr gutem Schallschutz bei geringem Gewicht und ohne Baufeuchte. Eine Grundrissveränderung wird damit vom Bauvorhaben zur Ausbaumaßnahme, im laufenden Betrieb realisierbar, ohne Statiker, ohne Eingriff in das Tragwerk.

Befestigungen sind durchdacht:

Für Lasten mit statischer Relevanz (abgehängte Decken, Technik, schwere Konsolen) setzen wir auf Dübel und Schrauben mit allgemeiner bauaufsichtlicher Zulassung (AbZ) oder Europäischer Technischer Bewertung (ETA), die in den Stegen und der Druckzone sicher verankert werden. Für rein konstruktive Anschlüsse, etwa das Fixieren von Trockenbauprofilen, genügen Setzbolzen. Für Öffnungen gilt Vergleichbares: Kleinere Durchbrüche lassen sich ohne Wechseleisen ausführen, auch nachträglich als Kernbohrung; größere Öffnungen werden über Wechseleisen abgefangen. Wandelbarkeit endet bei uns nicht beim Grundriss, sondern ist bis in die Ausführungsdetails vorgesehen.

Funktionsschichten nachrüsten:

Weil die Deckenunterseite frei zugänglich bleibt, lassen sich technische Ebenen ergänzen, ohne die Konstruktion zu verändern.

 

Fazit

Flexible Planung ist kein Zusatznutzen, den man einem Gebäude noch beigibt. Sie ist eine strategische Entscheidung, die im Tragwerk fällt und dort für Jahrzehnte gilt. Wer heute auf tragende Innenwände verzichtet, kauft sich Handlungsfähigkeit für die gesamte Lebensdauer der Immobilie: für Mieterwechsel, für neue Arbeitswelten, für Nutzungsänderungen, die heute noch niemand kennt.
Dass diese Freiheit zugleich mit kürzeren Bauzeiten, geringeren Rohbaukosten und einer messbar besseren Ökobilanz einhergeht, macht die Entscheidung leicht. Oder kurz gesagt: Flexibel hat Zukunft.

Sie planen ein Projekt und wollen wissen, welche Spannweiten und Deckenstärken für Ihren Grundriss möglich sind? Unser Team berät Sie von der ersten Entwurfsidee bis zur Werkplanung. Auf unserer Website finden Sie unsere Bemessungsprogramme für die schnelle Vordimensionierung, die technischen Unterlagen zu BRESPA® sowie die Studien und Ökobilanzen zum Nachlesen.

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